Warme Mahlzeit für Leib und Seele

Die Atmosphäre ist entspannt. Gemütlich. Auf dem Sofa in der Ecke sitzen zwei Männer, die sich angeregt unterhalten. Am großen Tisch wird gerade gefrühstückt. Die Kommunikation ist angeregt.

Rottweil. In der Wärmestube in der Suppengasse kommen Tag für Tag Menschen zusammen, die keinen festen Wohnsitz haben, die alleine oder mittellos sind und sich kein warmes Mittagessen oder Frühstück leisten können. Seit nunmehr 20 Jahren gibt es das Angebot. Die Idee dafür hatte seinerzeit der evangelische Stadtpfarrer Wilhelm Dilger. Tag für Tag klopften bei ihm Menschen – zumeist Wohnsitzlose – und bettelten um Geld für ein Essen. Nur einfach Geld zu geben, erschien dem Ehepaar Dilger nicht ausreichend. Ein Raum, in dem sich diese Menschen aufhalten und eine warme Mahlzeit bekommen können, sollte man schaffen.
Bereits vor 20 Jahren gab es für die Wohnsitzlosen bei der Spittelmühle der AWO im Neckartal die Möglichkeit zu übernachten und auch an Wiedereingliederungsprogrammen teilzunehmen, doch so etwas wie einen Aufenthaltsraum in der Stadt hatte man nicht.
Und so setzten sich Vertreter der beiden Kirchen und die AWO an einen Tisch, um eine Lösung zu finden. Und schnell war die Idee für eine Art Suppenküche geboren. Anfangs war die Wärmestube im Carl-Josef-Leiprecht-Haus untergebracht. Doch lediglich für ein Jahr waren die Räume frei. "Wir haben wirklich unermüdlich nach Räumlichkeiten gesucht, aber als wir den Leuten erzählt haben, was wir planen, wollte uns keiner", erinnert sich Irmgard Egin, eines der Gründungsmitglieder des Freundeskreises Wärmestube. Durch Zufall sei man dann an den ehemaligen Bastelladen in der Suppengasse gekommen. Der Hauseigentümer war bereit, der AWO das Haus für Büro und Wärmestube zu vermieten. Und so hat die Wärmestube bis heute eine Heimat in der Suppengasse – wie passend.
"Die Wärmestube ist offen für alle Leute", lädt Verena Gaiffi ein. Sie wird von drei 450-Euro-Kräften betreut. Mittags wird gekocht. "Das übernehmen unsere 30 Ehrenamtlichen, berichtet Irmgard Egin begeistert. 25 bis 30 Essen werden Tag für Tag zubereitet. Frisch versteht sich. Anfangs habe man lediglich Suppen aufgewärmt. Jetzt werde ordentlich gekocht, darauf sei man besonders stolz.
Um den Fortbestand der Wärmestube langfristig zu sichern, wurde im Jahr 1998 ein Verein gegründet. Da lief die Arbeit aber bereits ein Jahr. Vorsitzender war Wilhelm Dilger, der das Amt im vergangenen Jahr an die evangelische Pfarrerin Esther Kuhn-Luz abgab. Die Wärmestube finanziert sich im Wesentlichen über Spenden.
Am kommenden Donnerstag, 14. September, feiert die Wärmestube ihr 20-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung im Alten Rathaus. "Menschen, die aus dem Rahmen fallen" lautet der Titel der Ausstellung. "Die Menschen, die zu uns hierherkommen, sind Leute, die irgendwann auch mal ganz normale Leben führten, die aber durch verschiedene Umstände aus dem gesellschaftlichen Rahmen gefallen sind", erklärt Verena Gaiffi, die die Fotos gemacht und die Schicksale der Menschen in einer Broschüre dokumentiert hat.
Die Vernissage ist um 18 Uhr. Oberbürgermeister Ralf Broß, Pfarrerin Esther Kuhn-Luz und Pfarrer i.R. Wilhelm Dilger werden Grußworte sprechen. Dietmar Greuter wird in die Ausstellung einführen. Interessierte sind willkommen.

Erschienen im Schwarzwälder Bote von Von Stefanie Siegmeier 08.09.2017 - 16:10 Uhr

Wärmestube Rottweil

Adresse

Suppengasse 2
78628 Rottweil

Kontakt

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Tel.: 07 41 / 9 42 26 38